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Verhaltensforscherin Dr. Willa Bohnet

Expertin für Ausdrucksverhalten der Pferde

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Meine Erfahrungen mit dem LG-Zaum
Bevor ich auf meine Erfahrungen mit dem LG-Zaum eingehe, möchte ich einen kurzen Einblick in meine reiterlichen Erfahrungen geben, da ich denke, dass dies auf meine Beurteilung des LG-Zaums einen großen Einfluss hat. Mit dem Reiten begann ich vor nunmehr 35 Jahren. Damals – wie leider vielfach auch noch heute – bestand der Reitunterricht aus Drill für Reiter und Pferd. Altersbedingt und aufgrund meiner mangelnden Erfahrung mit Pferden zu dieser Zeit nahm ich sowohl die Vorgehensweise beim Unterricht als auch den Umgang mit den Pferden als gegeben hin. Es dauerte allerdings nur wenige Jahre und ich verlor die Lust am Reiten, da es mir nicht einsichtig war, warum Reiten mit Muskelkater in den Oberarmen (!) verbunden sein musste. Vor ca. 15 Jahren machte ich dann Bekanntschaft mit dem Westernreiten. Ich war begeistert von dem Prinzip des Signal-Reitens und der „Entspanntheit“ der Pferde beim Reiten. Heute weiß ich, dass vieles davon meinem damaligen Reitlehrer Chris Matt zu verdanken ist. Zu dieser Zeit machte ich auch meine ersten Erfahrungen mit gebisslosen Zäumungen (Bosal + Mecate; Sidepull). Es war für mich eine vollkommen neue Erfahrung, dass man Pferde auch ohne Gebiss sowohl in der Halle/auf dem Reitplatz als auch im Gelände reiten konnte. Vor 13 Jahren kaufte ich dann einen Don-Pferd-Wallach, der von seiner Vorbesitzerin als aggressiv gegenüber Menschen und nicht reitbar abgegeben wurde, da er u.a. im Gelände durchging und bockte. Relativ schnell konnte ich feststellen, dass die Ursache für das unerwünschte Verhalten beim Reiten klassisch konditioniertes aversives Verhalten gegenüber dem Gebiss war. Nach einer Umstellung auf das Sidepull (und Neck-Reining) waren die Probleme beim Reiten behoben. Dies überzeugte mich vollends vom gebisslosen Reiten. Aus diesen Erfahrungen heraus ritt ich meinen jungen Wallach („Flash“) – heute sieben Jahre alt - von Anfang an ohne Gebiss ein: zuerst mit Kappzaum, dann mit Sidepull. Ich muss dazu sagen, dass ich trotz meiner Westernreit-„Eskapade“ und den diesbezüglichen Erfahrungen eher zur klassischen Dressurreitweise neige. Da Flash sehr neugierig und lernbegierig (d.h. Wiederholungen werden ihm schnell langweilig) aber auch recht temperamentvoll und bewegungsfreudig ist, war mir die Einwirkung über das Sidepull für eine differenziertere Ausbildung nicht so fein, wie ich sie mir gewünscht hätte. Zu diesem Zeitpunkt kam der LG-Zaum zum Einsatz: Flash reagierte beim ersten Mal (LG-Zaum eingeschnallt mit Hebelwirkung; Bodenarbeit) mit deutlicher Irritation auf nur leichtes Annehmen der Zügel, was in spontanem Rückwärtsgehen resultierte. Ich kann nicht sagen, ob dies auf die ungewohnte Kinnkette oder auf die Einwirkung des „Glücksrades“ auf das Genick zurückzuführen war, was er bis zu diesem Zeitpunkt ja auch noch nicht kannte. Flash reagierte allerdings nach nur wenigen Wiederholungen entspannt aber aufmerksam auf die Einwirkungen des LG-Zaums in der Bodenarbeit.
Fazit: Nach nunmehr 3,5 Monaten Ausbildung mit dem LG-Zaum – in den letzten zwei Monaten auch vermehrt beim Reiten – sind Pferd und Reiterin begeistert. Flash hat keine aufgerissenen Mundwinkel und ich habe keinen Muskelkater in den Oberarmen ;-) d.h. das Pferd geht entspannt und aufmerksam, und die Reiterin kann differenziert über den LG-Zaum in Zusammenwirkung mit den sonstigen Hilfen das Verhalten des Pferdes beeinflussen. Meiner Erfahrung nach ist es mit der gebisslosen Zäumung des LG-Zaums möglich, ein Pferd auf der Grundlage sehr feiner Zügelhilfen hin auszubilden. Voraussetzung hierfür ist allerdings – wie auch bei dem Reiten mit Gebiss – ein Reiter, der sich einfühlsam auf das individuelle Pferd einzustellen vermag.
Zu meiner Person: Im Rahmen meiner Anstellung am Institut für Tierschutz und Verhalten (Heim-, Labortiere und Pferde) der Tierärztlichen Hochschule Hannover beschäftige ich mich hauptsächlich mit der Kommunikation und dem Lernverhalten von Pferden. Daraus resultiert auch mein Interesse an den verschiedenen Ausbildungsmethoden für Pferde und den dabei verwendeten Hilfsmitteln. Meine eigenen drei Pferde müssen daher häufig als „Versuchspferde“ herhalten.
Hannover im März 2009

 

 

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